‚why the hell cis-guys at a ladyfest…‘???

Diese Frage haben wir sehr zu Recht gestellt bekommen, als wir darüber informiert haben, dass unser Ladyfest zum Teil auch für cis-Männer offen ist. Das ist zwar keine Seltenheit, allerdings auch keine Selbstverständlichkeit. Und daher haben wir diese Frage zum Anlass genommen, nochmal genau unsere Haltung zu cis-Männern im Rahmen und Raum unserer Veranstaltung zu diskutieren und zu beantworten. Wir dachten, es interessiert euch auch, was bei dieser Diskussion herauskam.

Aber erstmal die Antwort auf die Frage „Was sind ‚cis-guys‘?“ (http://lippyanswer.blogspot.de/2013/01/feministisches-worterbuch-cis-fraumann.html)

In welcher Form seid ihr, cis-guys/Männer, beim Ladyfest Rostock willkommen:

Als Gäste – Es gibt Workshops und Vorträge, die für euch offen sind. Hier könnt ihr euch zu queerfeministischen Themen sensibilisieren, Perspektivwechsel vornehmen und euch austauschen und mitdiskutieren.

Allerdings gilt:
Kein Mansplaining (http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/wortschoepfung-mansplaining-allwissende-erzaehler-13413483.html). Keine Diskussionen um Männerrechte. Kein Erwarten von Lob dafür, dass ihr keine Macker seid.

Respektiert, dass das Ladyfest ein Aktionsraum für FLTI* ist. Hier geht es um Bestärkung von Menschen, die durch patriarchale, rassistische und kapitalistische Gesellschaftsstrukturen klein-, kurz- und stillgehalten werden.

Ihr findet auch, dass das Patriarchat stinkt, weil ihr nicht sein könnt, wie ihr sein wollt? Oder euch nervt der ständige Leistungs- und Sich-unter-Beweis-stellen-müssen-Druck? Wir unterstützen euch gern dabei, Gruppen und Strukturen aufzubauen, in denen Männlichkeit kritisch hinterfragt werden kann. Aber bitte nicht während der fünf Tage des Ladyfests. Da geht es einfach mal nicht um euch.

Fünf Tage sind wir so dreist und nehmen uns den Raum, den wir oft nur durch die gläserne Decke (https://de.wikipedia.org/wiki/Gl%C3%A4serne_Decke) (ja, gibt’s auch im Veranstaltungs- und Kulturbereich) sehen, aber selten selbst besetzen können. Das heißt in dem Fall ausschließlich FLTI*-Personen auf der Bühne, an der Technik, an der Tür, als Workshopleitende, als Vortragende, am Einlass, an der Bar und hinter den Kulissen.

Dir sind solche feministischen Strukturen fremd und du findest sie doof: Keine Sorge, nächste Woche ist wieder alles beim Alten.

Dir sind solche feministischen Strukturen fremd, aber du findest sie cool: Nächste Woche ist vielleicht vordergründig alles beim Alten. Aber als FLTI*-Person hast du vielleicht Erlebnisse und Erfahrungen gesammelt, um das nächste Mal selbstbestimmter und selbstsicherer auftreten zu können, damit man dir nicht mehr so schnell die Butter vom Brot nimmt. Und als cis-Mann fällt es dir das nächste Mal auf, wenn du in einem Raum bist, der ausschließlich von cis-Männern besetzt und bespielt wird. Und vielleicht hast du den Mumm, darüber Maul zu machen. Und ganz sicher hast du Ansprechpersonen, die dir personell und strukturell helfen können, diese Räume anders zu gestalten.

Und daher ist unser Ladyfest auch für cis-Männer offen.