Intergeschlechtliche Biographien: Pathologisierung, Tabuisierung, Emanzipation

Inter* Menschen, deren Körper nicht einem der gültigen Geschlechtskörperkategorien zugeordnet werden können, gelten medizinisch als krank. Ihre Körper werden auch heute noch schnellstmöglich im Sinne der Geschlechternormen zugerichtet. Sie erleben durch diese Pathologisierung auf vielfältige Weisen die Enteignung ihres Körpers und die damit einher gehende Fremdbestimmung. Ich habe medizinisch zugerichtete inter* Menschen interviewt und möchte im Vortrag die Biographieforschung, die ich zusammen mit Ihnen durchgeführt habe, vorstellen. Die Ergebnisse dokumentieren einerseits die Verletzungen durch die Praktiken der Zurichtung sowie die als fremdbestimmend wahrgenommenen medizinischen Praktiken des Wissenstransfers. Andererseits beschreiben sie Wege von inter* Menschen, sich von der medizinischen Kontrolle ihrer Körper und ihrer Geschlechtlichkeit zu emanzipieren und sie sich auf kreative, je individuelle Weise wieder anzueignen.

Anja macht seit Beginn ihres Studiums und seither in verschiedenen Städten queer_feministisch-antisexistische Sachen und ist bestrebt, Privates politisch und Politisches privat sein zu lassen. Anja pendelt stetig zwischen queer inspiriertem Radikalfeminismus und feministischer Queer Theory und findet Körper- und Sexpositivität in Theorie und Praxis ziemlich gut und immer wichtiger. Anja lohnarbeitet als wiss. Mitarbeiter*in in der Soziologie der Uni Jena und hat dort ausgearbeitet, was sie im Vortrag vorstellt.