One Billion Rising am 14. Februar!

Seit ein paar Jahren gibt es immer am 14. Februar einen globalen tanzenden Streik, der auf Gewalt gegen Frauen* und Mädchen* aufmerksam machen will. Auch wir vom Ladyfest Rostock begleiten #1BillionRising solidarisch kritisch (unser Redebeitrag weiter unten).

Schöne Alternative Songs gibt es hier zu hören von den Rapperinnen von MIA zusammen mit Lena Stoehrfaktor und Tapete.

Hintergrund Infos gibt es bei meintestgelaende.de

Oder dieses schöne Video von Sookee:

Und jetzt kommt unser Redebeitrag:

Gemeinsam mit Millionen von anderen Menschen weltweit kämpfen wir gegen die Gewalt an Frauen*, Inter* und Trans*Personen.

Leider gehören Übergriffe auf Mädchen*, Frauen*, Inter* und Trans*Personen zum Alltag und werden in unserer Gesellschaft fast schon als normal angesehen. Heute wollen wir mit diesem Normalzustand brechen. Wir gehen auf die Straße, hierher, sind heute gemeinsam auf dem Uniplatz hier in Rostock, um diese Gewalt sichtbar zu machen, sie zu verurteilen und gegen sie anzukämpfen. Und das werden wir weiterhin tun, bis sich Mädchen und Frauen* an jedem Ort vor Gewalt sicher fühlen können und sicher sind.

Wenn wir Frau* oder Mädchen* sagen, dann meinen wir alle Menschen, die sich mit dieser Kategorie identifizieren können. Cis-Frauen, Trans-Frauen und Inter-Frauen. Weiße deutsche Frauen*, Schwarze deutsche Frauen*, migrantische Frauen*, geflüchtete Frauen*, Lohnarbeitende Frauen*, obdachlose Frauen,* Sozialleistung beziehende Frauen*, alleinerziehende Frauen*, kinderlose Frauen*, Ehefrauen*, ältere Frauen*, jüngere Frauen*, gehörlose Frauen*, sehende Frauen*… für all diese Mädchen* und Frauen* – und ich könnte viele weitere aufzählen – die so unterschiedlich sind, sind wir heute hier, denn ihnen allen ist gemein, dass sie von Gewalt betroffen sind. Diese Gewalt, über die wir hier reden, hat viele Gesichter und wird von der Öffentlichkeit oft nicht als solche wahrgenommen oder überhaupt bemerkt.

Gewalt fängt schon in der Erziehung an, in der Sozialisation. In der unbedingten Einteilung in männlich und weiblich, und dabei auch in der Aufwertung des Maskulinen durch die Abwertung des Femininen.
„Du Mädchen!“ gilt als ein Schimpfwort, um Menschen als vermeintlich schwächere und ängstliche zu diffamieren. „Sei stark und tapfer wie ein Mann“ als Gegenpart dazu.

Gewalt zeigt sich durch die Einteilung in schwarze und weiße Menschen, in der Aufwertung des Weißseins durch die Abwertung des Nichtweißseins.
Gewalt zeigt sich durch die systemische Bevorzugung von reichen Menschen gegenüber armen Menschen.
Blöde Anmachsprüche, sexualisierte Übergriffe, häusliche Gewalt, Lohnunterschiede, Chancenungleichheit auf dem Arbeitsmarkt, Unterschiede im Zugang zu Bildung, gesellschaftlich zugeschriebene Rollen, gesellschaftliche Zwänge. Alltagsrassismen und Abschiebungen. Beschimpfungen, Schläge, Mord.
Gewalt zeigt sich in unzähligen Formen:
Als physische und psychische Gewalt, patriarchale Gewalt, rassistische Gewalt, soziale Gewalt, wirtschaftliche und staatliche Gewalt.

Jede fünfte Frau* in Deutschland ist von Armut bedroht.
Frauen* in Deutschland erhalten für ihre Arbeit insgesamt 22 Prozent weniger Geld als Männer.
Ab dem 15. Lebensjahr sind 35% aller Frauen* in Deutschland von körperlicher und sexueller Gewalt betroffen.
55% aller Frauen* erleben psychische Gewalt durch einen Partner/Partnerin.
29 % der Frauen* in Deutschland werden gestalkt.

Europaweit meldet nur jede Dritte, die von Gewalt in der Partnerschaft betroffen ist und jede vierte Betroffene außerhalb die Gewalterfahrung der Polizei. So ist eine große Dunkelziffer der Gewalttaten an Frauen undokumentiert und bleibt vor allem strafrechtlich ungeahndet.

Wir wünschen, nein, wir fordern, dass jedem Mädchen, jeder Frau*, die Gewalt erlebt,
schnellstmöglich eine medizinische und psychische Versorgung zusteht!
Wir fordern, dass jedes Mädchen, jede Frau*, der Gewalt angetan wird, einen sicheren Ort für sich und mitbetroffene Personen, z.B. Kinder, beziehen kann!
Wir fordern, dass jedes Mädchen, jede Frau*, die Gewalt erfahren hat, diese Gewalttat anzeigen kann und dabei die Gewissheit hat, nicht in Frage gestellt, sondern ernst genommen zu werden und dass ihr Fall strafrechtlich verfolgt wird!
Wir fordern, dass endlich auch die Gesellschaft, darunter auch das unmittelbare soziale Umfeld, die Täter und ihre Taten in jeglicher Form verurteilt, so dass sich die von Gewalt betroffenen Frauen nicht als Opfer schuldig fühlen müssen, sondern die Schuld allein bei den Tätern gesehen wird.

Jede Form von Gewalt schränkt uns Mädchen* und Frauen* ein, in unserer Persönlichkeit, in unserer Bewegungsfreiheit, in unserem Leben. Gewalt nimmt uns die Möglichkeit freie Entscheidungen zu treffen und selbstbestimmte Wege einzuschlagen, und dies angstfrei tun zu können.
Es existiert nach wie vor eine Diskrimierung aufgrund von Geschlecht. Weltweit und in Deutschland werden die Menschenrechte dadurch vielfältig jeden Tag verletzt.

Das ist ungerecht!
Deswegen sind wir hier! Wir demonstrieren heute für unsere Rechte, für uns selbst und für alle die Mädchen* und Frauen*, welche heute hier oder anderswo nicht an die Öffentlichkeit gehen können.
Es ist höchste Zeit, dass Kinder und Erwachsene lernen, dass Gewalt aufgrund des Geschlechts nicht normal ist und dass alle Menschen die gleichen Rechte haben und es absolut keine Unterschiede gibt.
Daher lasst uns gemeinsam kämpfen, trotz aller Unterschiede, die dabei und überhaupt gar keine Rolle spielen.
Lasst uns miteinander solidarisch sein, uns gegenseitig unterstützen und gemeinsam für unsere Rechte kämpfen!

Women* of all colours unite and fight!

Say hey hey, say ho ho, Sexism has to go!

Quellen:
1. https://docs.google.com/viewer?url=http%3A%2F%2Ffra.europa.eu%2Fsites%2Fdefault%2Ffiles%2Ffra-2014-vaw-survey-at-a-glance-oct14_de.pdf
„Gewalt gegen Frauen: eine EU-weite Erhebung“, von FRA – Agentur der Europäischen Union für Grundrechte, 2014
- Ab dem 15. Lebensjahr sind 35% aller Frauen in Deutschland von körperlicher und sexueller Gewalt betroffen.
- ab dem 15 Lebensjahr sind 55% aller Frauen durch einen Partner/Partnerin von psychischer Gewalt betroffen.
- 29 % der Frauen in deutschland sind von Stalking betroffen.
2. http://www.esf-gleichstellung.de/fileadmin/data/Downloads/Aktuelles/expertise_armut.pdf
jede fünfte Frau in Deutschland ist von Armut bedroht.
3. http://www.zeit.de/karriere/beruf/2014-03/lohn-unterschied-gender-pay-gap-bezahlung
Frauen in Deutschland erhalten für ihre Arbeit insgesamt 22 Prozent weniger Geld als Männer.